Monday, April 02, 2007

Irgendwann muss man ja die Klappe wieder aufmachen…

… besonders, wenn alle anderen über einen reden. Ich hätte mir ja denken können, dass meine Nationalratskandidatur nicht ganz unbemerkt über die Bühne geht. Aber dass ich damit gleich innert einem Monat zu jener ausgesuchten Gilde von Stadträten, Födlebörgern und anderen Brodworschtprominenten dazugerechnet werde, die am Samstag das Lokalblatt aufschlagen können, um darin Dinge über sich selber zu erfahren, die sie gar nicht wussten, das hätte ich mir dann schon nicht gedacht… So gefunden im St.Galler Tagblatt vom letzten Samstag:


Roter Samt für den Mann in Schwarz

Die St. Galler Politprominenz ist um einen taktisch gewieften Selbstdarsteller reicher. Während Albert Nufer von den Grünen die Politik, den Fussball und die Welt zunehmend gelassener nimmt, drängt sich ein Neuer ins politische Rampenlicht. Wie anders ist es zu verstehen, dass sich SP-Stadtparlamentarier Etrit Hasler als einziger Linker in die FDP-Waagschale wirft und mit dem Freisinn für das Postulat «Waaghaus-Sanierung: Chance für Neukonzept» gemeinsame Sache macht? Dabei wird beantragt, das St. Galler Stadtparlament ins alte Kino Palace an den Blumenbergplatz zu zügeln, wo seit einigen Monaten alternative Kultur zelebriert wird.

Reden tut der Slam-Poet Hasler gern. Er ist einer, der spricht, mit allen, über alles, und manchmal weiss er halt dann nicht mehr, was er gesagt hat. Der Vielredner mit «Sympathien für das Marketing der SVP» (WoZ) ist sich wohl noch nicht so recht im Klaren, wo er hingehört: In St. Gallen macht er eigenwillige Politik, in Zürich kratzt er am verkrusteten Image der Roten Fabrik, und in Winterthur trägt er seine Fussball-Leidenschaft zur Schau.
Doch woher die Unterstützung für den FDP-Vorstoss? Als Slammer ist Hasler gewohnt, vor einem johlenden Publikum im grellen Rampenlicht zu stehen und nicht in einem nüchternen Sitzungssaal ohne Volksbeteiligung zu versauern. Event-Kultur in roten Samtsesseln aus purer Eitelkeit?

Auch politisch will der Kettenraucher hoch hinaus und fühlt sich mit knapp 29 Jahren für den Nationalrat berufen. Vorerst wird der Mann im langen schwarzen Mantel aber nicht ins Bundeshaus Einzug halten, dafür ins Palace: «Etrits Sturmtrupp», verharmlosend auch Dichtungsring genannt, betritt am übernächsten Montag, eine Flasche Absinthe «Duplais Verte» in der Hand, die Palace-Bühne. Wobei wir wieder bei den Grünen wären. Etrit Hasler wird in Insiderkreisen nämlich bereits als «Nufer uf Slam» bezeichnet.

Nathalie Grand

Was will man dem noch hinzufügen? Vielleicht nur etwas: Dass ich sehr wohl weiss, wo ich hingehöre. Deswegen wohne ich da, wo ich zuhause bin, gehe da Fussball schauen, wo man keine Rechtsextremen toleriert (weder in der Fankurve noch im Vorstand... Gelled sie, Herr Müller: "Die aus dem Balkan sollte man alle nach Hause schicken..." - wir sehen uns an der Urne) und arbeite da, wo man Journalismus betreiben darf ohne politische Einflussnahme irgendwelcher Couleur.

Es grüsst vergnügt,

der Mann in Schwarz

Friday, August 04, 2006

wann ist denn jetzt eigentlich sommerpause?

Da hatt ich mich doch so darauf gefreut, endlich mal Sommerpause von Slam machen zu können, mich einzubunkern, wieder mal ein paar neue Texte zu schreiben (wär ja auch langsam Zeit, wenn ich dem Blog der Münchner Slamveranstalter Ko Bilanzky und Rayl Patzak glauben darf http://blog.claudio.de/blogger), aber irgendwie schein ich nicht zur Ruhe zu kommen:

So fand gestern schon wieder der alljährliche Poolbar-Slam statt, zwar wie jedes Jahr nicht gerade mit hochkarätiger Besetzung, aber dafür ganz spassig. Die vier angereisten Slammer Nadja Bucher, Wolfgang Kühn (beide Österreich, Linz und Wien, glaub ich) Patrick Armbruster und meine Wenigkeit setzten sich klar gegen Locals und Quereinsteiger durch, im Final wars dann allerdings so knapp, dass nicht einmal ein Stechen, für das sich Patrick und ich wieder einmal zum Team verschmelzen liessen, eine klare Entscheidung brachte. Resultat war dann Doppel- oder eben Dreifachsieg zwischen dem dialektenden Wolfgang Kühn und dem „Bisschen Böse“-Team, was zur einfachen Aufteilung der Preise führte, Kühn bekam das Preisgeld, Patrick die Fahrtkosten und ich eine Wasserpfeife. Alle zufrieden, oder?

Gleich weiter geht’s in zwei Wochen, am 18. August, wo ich zu Gast bei Florian Vetschs „Red Table Readings“ in der wunderschönen Syrano-Bar einen ganzen Abend füllen werde. Viel Eigenes, viel Fremdes und das ganze mit Sound unterlegt von einem Surprise-DJ. Und die Woche drauf liest das „bisschen böse“-team am Röntgerplatzfest in Zürich (vorsicht: FaZ-Redaktor Reto Aschwanden warnt vor der unerträglichen Langsamkeit des sozialdemokratischen Zapfhahns). Und am 4. September geht auch der Dichtungsring schon wieder in die nächste Saison, mit dem ersten politischen Dichtungsring gegen das neue Asylgesetz, unter anderem mit Florian Vetsch und Shqipton Rhexhaj. Cool ist das ja schon, aber Sommerpause hab ich mir irgendwie anders vorgestellt. Und ganz nebenbei wollte ich eigentlich noch eine Wochen Tauchen gehen, aber mit dem Krieg im Libanon (und ja, es ist ein Krieg) trau ich mich derzeit nicht nach Ägypten zurück.

Friday, June 23, 2006

arabische kriegerpoesie an der wm

der emirates airline match cast:

oh, what a strike
for SENDEROS Philippe
(SUI) !

He rises above everybody
to head home a ball

from YAKIN Hakan
(SUI) ,
butting heads with a defender
and earning a bloody face
in the process

what a display of toughness,
as SENDEROS Philippe
(SUI)
never stopped smiling
even as the blood
streamed down his face.






man beachte insbesondere die flüssigkeit des flows sowie den homosexuellen Subtext...

Saturday, March 11, 2006

ding dong, the bitch is dead...

... oder ein nachtrag zu "alles wird gut":

gefunden, als ich nichtsahnend bei patrick armbruster auf dem sofa sass und ein bisschen durch die gegend surfte. mein wochenende ist gerettet.

Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic ist tot

BERN - Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic ist tot. Der 64-Jährige wurde leblos in seiner Zelle im Gefängnis des UNO-Tribunals in Den Haag aufgefunden.


Eine Autopsie des 64-Jährigen sei angeordnet geworden, die Leiche werde auch auf Giftspuren untersucht, teilte das Gericht weiter mit. Milosevic war wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes angeklagt. Er litt unter Bluthochdruck und Herzproblemen. Zur Todesursache gab es keine Informationen.

Der Bruder Milosevics machte laut der Nachrichtenagentur Interfax das UNO-Tribunal für den Tod des Angeklagten verantwortlich. Das Gericht wies den Vorwurf zurück. Borislav Milosevic hatte die Richter bereits im Februar scharf kritisiert, weil sie den Antrag auf eine medizinische Behandlung seines Bruders in Russland abgelehnt hatten.

Milosevic' Pflichtverteidiger Steven Kay schloss dem Sender BBC News 24 gegenüber einen Selbstmord seines Mandanten aus. "Milosevic sagte mir vor einigen Wochen: Ich habe diese Sache nicht so lange ausgestanden, um mir irgendetwas anzutun", so Kay.

Der Prozess gegen Milosevic hatte im Februar 2002 begonnen und war wegen der angeschlagenen Gesundheit des Angeklagten schon etliche Male unterbrochen worden. Milosevic musste sich in 60 Punkten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Völkermordes in den Balkan-Kriegen verantworten.

Allein während des Bosnien-Krieges wurde ihm der Tod von 9000 Menschen zur Last gelegt. Im Herbst 2004 übernahm er seine eigene Verteidigung. Das Urteil wurde in wenigen Monaten erwartet. Im Falle eines Schuldspruchs drohte ihm lebenslange Haft.

Milosevic war im Oktober 2000 vom jugoslawischen Volk gestürzt worden, nachdem er seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl nicht hatte anerkennen wollen. Die serbische Polizei nahm den mutmasslichen Kriegsverbrecher bei einer nächtlichen Aktion im April 2001 fest. Im Juni lieferte ihn Belgrad nach Den Haag aus.

SDA-ATS

Monday, February 20, 2006

alles wird gut, vielleicht doch noch…

ich habe ja meine liebe mühe damit, irgendwelchen sätzen zu glauben, wenn sie so platt klingen, dass sie eigentlich nur von politikern stammen könnten (jaja, ich weiss: sagt der richtige). nun, woher der satz wirklich stammt, ist inzwischen in der unauslotbaren tiefe der popgeschichte untergegangen, in meiner generation und gegend haben ihn guz, göldin und johannes finke-san immer wieder wiederholt, und vielleicht bin ich sogar langsam bereit, daran zu glauben.

denn: das jahr hat eigentlich verdammt schlecht angefangen. ein richtiges scheissjahr, wie das patrick armbruster und ich am ersten dichtungsring des jahres formulierten: die schlimmste silvesterparty seit menschengedenken ausgerechnet bei meinem neuen arbeitgeber, der historienträchtigen (und dementsprechend langsträhnigen) roten fabrik in zürich, bei der sich nicht nur mir, sondern sämtlichen mitauftretenden der eindruck aufdrängte, dass es nicht nur arschlöcher in der hip hop-szene gibt, sondern dazwischen immer wieder auch ein paar richtige wichser, so wie die unerträglich arroganten puppetmastaz, denen die veranstalter dann trotzdem wie handpuppen zu füssen liegen.

aber es kommt alles plötzlich ein bisschen anders. vielleicht war der januar bloss eine retourkutsche für zwölf monate verdammt gutes 2005. und ab februar geht’s nur wieder aufwärts. im ernst: die konjunktur zieht an. lasst uns alle das chanson vom wirtschaftswunder singen, uns die kleider vom leid reissen und nackt durch die strassen tanzen. im ernst. ach, nicht, weil es uns wirklich wirtschaftlich besser gehen wird, aber immerhin wird’s nicht schlechter, solange die ubs rekordgewinne einfährt und nackt tanzen macht doch spass.

und auch im ernst: endlich haben die dänen die retourkutsche bekommen für die fascho-regierung, die sie selbst gewählt haben. das macht freude. ganz besonders, wenn ein paar araber dann schweizer fahnen anzünden und sich als ähnlich doof wie der grosse satan amerika outen. vielleicht ist ja 2006 ja das jahr des durchblicks. die wahlen in zürich lassen zumindest hoffen. die rechtsextremen haben wieder gemerkt, dass sie von der svp eben doch nur intern unterstützt werden, aber niemals in der öffentlichkeit. und die linken wähler fühlen sich von der lehrer- und status quo-partei sp zunehmend verarscht und suchen nach alternativen. als treues sp-mitglied, das träumen noch nicht verlernt hat, lässt das hoffen.

und dann ist noch slam, baby. und wie, baby. gäbi gabe vetter hat den salzburger stier gewonnen, und das einen knappen monat, nachdem ich ihm noch unterstellt habe, dass ihn das etablierte feuilleton niemals ernst nehmen würde. ich senke mein haupt in demut und gratuliere dem bub mit den goldigen testikeln: denn es muss doch einen geben, dem der verdammte slam nicht in den kopf steigt, der noch genug beieinander und auf dem boden ist, um die nachfolge der alten slamlegenden anzutreten, deren klingende namen noch heute jeden verlagsleiter erzittern machen: michael lentz, jan off, jaromir konecny. wenn es einen gibt, dann diesen purscht.

und ich kann mich auch in eigener sache nicht beschweren. nicht nur habe ich gerade zusammen mit nora „ich bin daphne“ gomringer, der patricia smith des europäischen poetry slams, den 6. zürcher schiffbau-slam gewonnen (ja genau, ich war „der andere, mit dem sich nora gomringer ihren verdienten sieg teilen musste“, wenn ich die nzz zitieren darf. schön dass das zürcher neoliberalenblatt immer noch eine haslerfreie zone ist, das beruht auf gegenseitigkeit), nicht nur, dass ich gerade eines der besten auftrittswochenende in münchen hinter mir habe, bei dem ich endlich den viel gerühmten ken yamamoto kennengelernt habe, der sich bei genauem hinsehen als noch besser als sein mit gold gestrichener ruf herausstellte, ein wochende, an dem ich endlich wieder mit einigen der besten poeten europas herumhängen konnte, dem heissgeliebten pärchen lydia daher/lasse samström, dem grossartig ernsten nii parkes und dem bereits oben erwähnten liebenswürdigsten tschechen deutschlands, jaromir konecny; nicht nur, dass ich zum ersten mal seit dem GIPS 2001 in Hamburg endlich wieder einmal Sir Jan Off an einem Slam erleben durfte, nicht nur, dass ich zum ersten mal seit fünf jahren wieder einmal die ehre und das glück hatte, den grössten slam europas, den im münchner substanz zu gewinnen (und ausgerechnet noch den starbesetzten zehn-jahres geburtstagsslam), nein, ich hatte auch noch das ausserordentliche vergnügen, in einer u-bahn auftreten zu dürfen, dabei zu herauszufinden, dass ich leicht klaustrophobisch bin, und dass man eben doch auch mit ernsten texten ein publikum unterhalten und begeistern kann.

und sogar in der politik läuft alles, wie es sollte. an der letzten gemeinderatssitzung konnte ich mithilfe meiner eigenen partei sowie den grünen verhindern, dass mein angriff auf die städtische gewerbepolizei und die von ihr verordnete türsteherpflicht zum scherzgeschäft am rande verkam. das geschäft hätte zehn minuten vor schluss der sitzung behandelt werden sollen, zu einem zeitpunkt, wo keiner mehr zuhört und alle ihr zeugs zusammenpacken wie zwei minuten vor schluss einer schulstunde. stattdessen habe ich mir nun einen weiteren monat ausbedungen, um material zu sammeln und den hobbyrambos, kulturbürokraten und fahnenschweizern, welche das st.galler nachtleben zum spiessrutenlauf machen wollen, auf die pelle zu rücken.

bin ich nun rundum glücklich? nein. natürlich nicht. das wäre ja doof. ein mensch, der denkt, er sei wirklich rundum glücklich, sollte vielleicht mal seinen puls messen. aber ich habe mut bekommen. ich glaube zum ersten mal seit langen wieder, dass wir gewinnen können. wie gesagt, alles wird gut. vielleicht.

Tuesday, December 27, 2005

Merry fucking christmas, you uncircumsized bastard sonsabitches

Wer in der heutigen Zeit wirklich noch einen Beweis dafür braucht, dass die Welt ganz einfach unrettbar unheilbar vollkommen verrückt ist, dessen Neugier wird an Weihnachten gleich in der Familienpackung befriedigt. Ihr spinnt doch alle zusammen. Das heisst natürlich, wir spinnen alle, ich bin nicht genug verrückt zu behaupten, ich sei nicht verrückt, aber immerhin bin ich mir meines Wahnsinns bewusst, und das ist ja angeblich der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung.

Gerade Kleinstädte sind da ganz besonders anfällig. So zumindest ist es mir vorgekommen, als ich mich am 23. dann doch noch in den Weihnachtsverkauf gewagt habe, um mir den ganzen Schund zuzulegen, den ich brauche, um mich bei meiner Familie dafür zu entschuldigen, dass ich mich schon wieder ein Jahr lang nicht habe blicken lassen. (jaja, ich weiss schon, ihr habt euch alle dieses Jahr entschieden, euch nichts zu schenken. schön für euch, wenn das bei euch geht…)

Die Strassen wie auch die Geschäfter waren genauso vollgestopft wie leergekauft (ein weihnächtliches Paradoxon, wahrscheinlich vergleichbar mit der jungfräulichen Empfängnis…). Die Heilsarmee und die Marketing(ch)läuse des St.Galler Tagblatts kämpften um die Aufmerksamkeit der Strassenstreuner, als ob es die Mutter aller Slams wäre. Am Bärenplatz beobachtete ich wie ein serbischer Tourist von der Polizei angehalten und in aller öffentlichkeit durchsucht wurde (was natürlich illegal ist), bloss weil ihm sein Schal soweit ins Gesicht gerutscht war, dass er zumindest in den trainierten Bullenaugen aussah wie ein Terrorist. Die Nummer des (privaten) Polizeiwagens war SG 17312, falls ihr das nachprüfen möchtet. Fröhliche Weihnachten, Speckschwarten.

Mein persönlicher Shoppingsexzess endete mit dem öffnen einer Flasche Whisky in der Eingangstüre des Klang und Kleid. Jawohl, ein Yuppieladen. Der Klassenfeind. Designwichser. Ich fühlte mich ja so böse dabei. Wenigstens wissen die Jungs anständigen Whisky zu schätzen. Und sie haben immer das perfekte, absolut sinnlose, aber wunderschön designte Geschenk, mit dem man ganz besonders die Personen, von denen man nichts weiss, ausser dass sie cool seien (so wie meine kleinen Schwestern), ideal beschenken kann.

Zwei Tage später sitze ich in Brüssel, „a human city with human values“, wie es in einer zufällig mitgenommenen Touristenbroschüre heisst. Aiman Nour, der ägyptische Oppositionsführer, dessen Privatsekretär einer meiner Shisha-Buddies in Kairo war, ist gerade zu fünf Jahren Knast verurteilt worden. Angeblich hat er Unterschriften gefälscht, um an der Präsidentschaftswahl teilnehmen zu können. Die Tatsache, dass man ihn an der ohnehin getürkten Präsidentschaftswahl trotzdem hat teilnehmen lassen, obwohl man ihn schon einmal für das gleiche Verbrechen eingesperrt hatte, wird auf Euro News nicht einmal mehr erwähnt. Gamila Nour, seine Ehefrau, steht vor den internationalen Fernsehkameras und brüllt „nieder mit Mubarak, nieder mit diesem Regime, Nieder mit der Diktatur“ in die Mikrofone, aber kein Schwein hört zu.

In Indonesien lebt eine halbe million Menschen ein Jahr nach T-day noch in Flüchtlingslagern. Das ganze Geld, das man in die Katastrophengebiete gespendet hatte, ist im Korruptionssumpf versickert. Ich erinnere mich noch an den 26. Dezember vor einem Jahr. Der Tsunami war neben den ganzen besinnlichen Weihnachtsnews bloss eine kleine Nachricht wert. Erst, als nach den Feiertagen die ganzen Redaktionen wieder besetzt wurden und die paar, welche jedes Jahr nach Thailand fliegen, nicht mehr auftauchten, kam man plötzlich auf die idee, dass da ein paar Leute gestorben sein könnten. Das grösste Todesereignis in der Geschichte der Menschheit. Und wir sassen da und tranken Champagner.

Es ist Weihnachten. Wie jedes Jahr ziehen wir uns in unsere Löcher zurück, nachdem wir drei Wochen wahnsinn durchlitten haben. Wir ruhen in uns, lassen den Staub des Jahres absinken, stopfen von oben mit Wweihnachtsbraten, Lachs und Guetzli nach, und scheissen es gerade rechteitig wieder raus, damit nichts unsere wasserklare Laune trübt, wenn wir uns zu Silvester wieder so richtig durchschütteln (apropos: Silvesterparty in der Roten Fabrik. U.a. mit den Puppetmastaz, Lars Ruppel, Peter Janicki, Patrick Armbruster und meiner Wenigkeit… vorbeischauen).

„Mei iur harts bi vild wis schoi“, wie es Papst Rattengesicht gerade am TV verkündet. Dann ist da nämlich kein Platz mehr für irgendwas anderes. Und das ist gut so. Seeya next year.

Tuesday, December 06, 2005

fussballschals und so...

jajajaja,

ihr habt's ja wahrscheinlich auch von alleine gemerkt, ich bin dann auch irgendwann wieder in der schweiz angekommen - mehr gäb's da schon zu erzählen, aber mir fehlt derzeit der pfuus, um mein leben in amüssanten anekdoten hier weiterzuerzählen.

da ich seit einem monat mich nicht nur wieder in der schweiz, sondern tatsächlich sogar wieder mal in der welt der arbeitenden bevölkerung befinde, fehlt mir der wahrscheinlich auch noch ein weilchen, da ich meine schreiberischen ergüsse vorläufig meinem neuen arbeitgeber, der roten fabrik, vorbehalte, ob der das will oder nicht.

da ich diesen blog aber trotzdem noch nicht sterben lassen will, poste ich euch ab heute halt anderes, was ich gerade so finde.

so fiel mir heute beim herumsurfen (herumserven...) auf fifa.com ein interview in die hände für alle diejenigen, die sich immer noch fragen, was denn das eigentlich für ein komischer fussballschal sei, den ich immer entweder auf mir trage oder ans mikrofon binde. enjoy an all-egyptian hero.

gefunden auf FIFA.com am 6.12.

Aboutrika: "Mit Gottes Hilfe können wir gewinnen"

Es dürfte kaum eine faszinierende Eröffnungspartie des Turniers geben, als das 'Derby', das am Sonntag im Stadion in Tokio zu Beginn der FIFA Klub-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Die Begegnung zwischen Afrika-Meister Al Ahly und Asiens Titelträger Al Ittihad wird von den Medien in Ägypten, Saudiarabien und der gesamten arabischen Welt zu einem eigenen kleinen Finale hochstilisiert.


Von den vielen Stars, die am 11. Dezember in Japan die Bühne betreten, dürfte Al Ahlys offensiver Mittelfeldspieler Mohamed Aboutrika wohl am meisten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nachdem er gerade erst beim 10. Sieg in Folge seines Teams in der ägyptischen Liga einen Hattrick erzielt hat, unterhielt sich der 27-Jährige mit FIFA.com.

"Mit Gottes Hilfe können wir gewinnen", sagt Aboutrika. "Die erste Partie wird entscheidend, denn wir möchten mindestens bis ins Halbfinale kommen. Es dürfte ein tolles Derby werden, denn der saudiarabische Fussball ähnelt sehr stark dem in Ägypten gespielten."

Nachdem ihn Trainer Manuel José vor knapp zwei Jahren aus der Anonymität der zweiten Liga von Tersana zu Al Ahly holte, wurde der Ägypter zu einem der zuverlässigsten Spieler des Portugiesen, dessen Team in der Liga von Rekord zu Rekord eilt.

Aboutrika, ebenso entschlossen wie talentiert, verkörpert genau den Siegeswillen, den José sehen möchte, wenn er einen Spieler verpflichtet. "Ich selbst habe noch kein Spiel mit Al Ahly gegen eine Mannschaft aus dem Ausland verloren. Ich glaube, das geht den meisten Spielern von Al Ahly so, die ja nun schon seit einigen Jahren hier sind", bemerkt er zum Hinweis darauf, dass Al Ittihad die bessere Bilanz aufzuweisen hat.

"Es gibt immer Druck, der kann auch während der Partie je nach Verlauf und Spielstand noch stärker werden. Was ich sagen möchte, ist dass wir weder Angst vor Al Ittihad haben, noch in irgendeiner Weise besorgt sind. Ich weiß, dass sie eine sehr gute Mannschaft sind und wir werden Ihnen den Respekt erweisen, den sie verdient haben. Überschätzen werden wir sie jedoch nicht, denn ich weiß, dass auch wir ein gutes Team sind. Am 11. Dezember wird man sehen, wer die bessere Mannschaft ist."

Aboutrika, der das entscheidende erste Tor im Rückspiel des Finales der afrikanischen Champions League gegen Etoile Sahel erzielte, blickt schon voller Selbstvertrauen auf ein mögliches Halbfinale gegen Sao Paulo.

"Natürlich hat alles, was aus Brasilien - dem Land des Fussballs - kommt, seine eigene Magie. Wir lassen uns jedoch vom Ruhm der Brasilianer nicht blenden. Für uns wäre es ein Traum, gegen sie zu spielen. Unser Trainer sagt, dass man Fussball spielt, um die Fans und sich selbst zu erfreuen, und dass man auch spielt, um zu gewinnen. Wenn man zu viel Angst vor großen Namen hat, ist das Spiel bereits verloren. Das Schlimmste im Fussball ist, vor dem Gegner Angst zu haben."

Wie bei allen großen Turnieren werden auch in Japan zahlreiche Scouts der europäischen Vereine nach Spielern Ausschau halten, die etwas Besonderes zu bieten haben. Aboutrika gibt zu, dass auch er sich geschmeichelt fühlen würde, wenn es Interesse an ihm gäbe. "Ich vertrete meinen Verein Al Ahly, mein Land Ägypten und meinen afrikanischen Kontinent", sagt er voller Stolz. "Aber ich möchte mein Bestes geben, da ich auch schon Angebote von europäischen Vereinen erhalten habe. Wenn Al Ahly im nächsten Sommer zustimmt, werde ich mich für eines von ihnen entscheiden."

Dem steht zunächst jedoch das starke Team von Al Ittihad im Weg - eine Mannschaft, die durchaus imstande ist, auch die allerschönsten Träume zu zerstören.