ich habe ja meine liebe mühe damit, irgendwelchen sätzen zu glauben, wenn sie so platt klingen, dass sie eigentlich nur von politikern stammen könnten (jaja, ich weiss: sagt der richtige). nun, woher der satz wirklich stammt, ist inzwischen in der unauslotbaren tiefe der popgeschichte untergegangen, in meiner generation und gegend haben ihn guz, göldin und johannes finke-san immer wieder wiederholt, und vielleicht bin ich sogar langsam bereit, daran zu glauben.
denn: das jahr hat eigentlich verdammt schlecht angefangen. ein richtiges scheissjahr, wie das patrick armbruster und ich am ersten dichtungsring des jahres formulierten: die schlimmste silvesterparty seit menschengedenken ausgerechnet bei meinem neuen arbeitgeber, der historienträchtigen (und dementsprechend langsträhnigen) roten fabrik in zürich, bei der sich nicht nur mir, sondern sämtlichen mitauftretenden der eindruck aufdrängte, dass es nicht nur arschlöcher in der hip hop-szene gibt, sondern dazwischen immer wieder auch ein paar richtige wichser, so wie die unerträglich arroganten puppetmastaz, denen die veranstalter dann trotzdem wie handpuppen zu füssen liegen.
aber es kommt alles plötzlich ein bisschen anders. vielleicht war der januar bloss eine retourkutsche für zwölf monate verdammt gutes 2005. und ab februar geht’s nur wieder aufwärts. im ernst: die konjunktur zieht an. lasst uns alle das chanson vom wirtschaftswunder singen, uns die kleider vom leid reissen und nackt durch die strassen tanzen. im ernst. ach, nicht, weil es uns wirklich wirtschaftlich besser gehen wird, aber immerhin wird’s nicht schlechter, solange die ubs rekordgewinne einfährt und nackt tanzen macht doch spass.
und auch im ernst: endlich haben die dänen die retourkutsche bekommen für die fascho-regierung, die sie selbst gewählt haben. das macht freude. ganz besonders, wenn ein paar araber dann schweizer fahnen anzünden und sich als ähnlich doof wie der grosse satan amerika outen. vielleicht ist ja 2006 ja das jahr des durchblicks. die wahlen in zürich lassen zumindest hoffen. die rechtsextremen haben wieder gemerkt, dass sie von der svp eben doch nur intern unterstützt werden, aber niemals in der öffentlichkeit. und die linken wähler fühlen sich von der lehrer- und status quo-partei sp zunehmend verarscht und suchen nach alternativen. als treues sp-mitglied, das träumen noch nicht verlernt hat, lässt das hoffen.
und dann ist noch slam, baby. und wie, baby. gäbi gabe vetter hat den salzburger stier gewonnen, und das einen knappen monat, nachdem ich ihm noch unterstellt habe, dass ihn das etablierte feuilleton niemals ernst nehmen würde. ich senke mein haupt in demut und gratuliere dem bub mit den goldigen testikeln: denn es muss doch einen geben, dem der verdammte slam nicht in den kopf steigt, der noch genug beieinander und auf dem boden ist, um die nachfolge der alten slamlegenden anzutreten, deren klingende namen noch heute jeden verlagsleiter erzittern machen: michael lentz, jan off, jaromir konecny. wenn es einen gibt, dann diesen purscht.
und ich kann mich auch in eigener sache nicht beschweren. nicht nur habe ich gerade zusammen mit nora „ich bin daphne“ gomringer, der patricia smith des europäischen poetry slams, den 6. zürcher schiffbau-slam gewonnen (ja genau, ich war „der andere, mit dem sich nora gomringer ihren verdienten sieg teilen musste“, wenn ich die nzz zitieren darf. schön dass das zürcher neoliberalenblatt immer noch eine haslerfreie zone ist, das beruht auf gegenseitigkeit), nicht nur, dass ich gerade eines der besten auftrittswochenende in münchen hinter mir habe, bei dem ich endlich den viel gerühmten ken yamamoto kennengelernt habe, der sich bei genauem hinsehen als noch besser als sein mit gold gestrichener ruf herausstellte, ein wochende, an dem ich endlich wieder mit einigen der besten poeten europas herumhängen konnte, dem heissgeliebten pärchen lydia daher/lasse samström, dem grossartig ernsten nii parkes und dem bereits oben erwähnten liebenswürdigsten tschechen deutschlands, jaromir konecny; nicht nur, dass ich zum ersten mal seit dem GIPS 2001 in Hamburg endlich wieder einmal Sir Jan Off an einem Slam erleben durfte, nicht nur, dass ich zum ersten mal seit fünf jahren wieder einmal die ehre und das glück hatte, den grössten slam europas, den im münchner substanz zu gewinnen (und ausgerechnet noch den starbesetzten zehn-jahres geburtstagsslam), nein, ich hatte auch noch das ausserordentliche vergnügen, in einer u-bahn auftreten zu dürfen, dabei zu herauszufinden, dass ich leicht klaustrophobisch bin, und dass man eben doch auch mit ernsten texten ein publikum unterhalten und begeistern kann.
und sogar in der politik läuft alles, wie es sollte. an der letzten gemeinderatssitzung konnte ich mithilfe meiner eigenen partei sowie den grünen verhindern, dass mein angriff auf die städtische gewerbepolizei und die von ihr verordnete türsteherpflicht zum scherzgeschäft am rande verkam. das geschäft hätte zehn minuten vor schluss der sitzung behandelt werden sollen, zu einem zeitpunkt, wo keiner mehr zuhört und alle ihr zeugs zusammenpacken wie zwei minuten vor schluss einer schulstunde. stattdessen habe ich mir nun einen weiteren monat ausbedungen, um material zu sammeln und den hobbyrambos, kulturbürokraten und fahnenschweizern, welche das st.galler nachtleben zum spiessrutenlauf machen wollen, auf die pelle zu rücken.
bin ich nun rundum glücklich? nein. natürlich nicht. das wäre ja doof. ein mensch, der denkt, er sei wirklich rundum glücklich, sollte vielleicht mal seinen puls messen. aber ich habe mut bekommen. ich glaube zum ersten mal seit langen wieder, dass wir gewinnen können. wie gesagt, alles wird gut. vielleicht.